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I schwätz schwäbisch - ond du?

Unser ehemaliger Landesvater sagte einmal: "Mir kennâd älles, bloß koi Hochdeitsch".
Aber diese Aussage ist nur teilweise richtig, denn: "Mir kennâd au Hochdeitsch, mir wellâd bloß ed" (= auf gut deutsch: Wir können auch Hochdeutsch, wir wollen nur nicht)




 

Der Begriff 'Schwäbisch' steht für eine im Raum Schwaben, d. h. in Mittel- und Süd-Baden-Württemberg sowie im südwestlichen Bayern gesprochene Reihe von Dialekten; sie werden den alemannischen Dialekten und damit der oberdeutschen Dialektgruppe zugeordnet.

Innerhalb der schwäbischen Dialekte gibt es allerdings gravierende Unterschiede!
Südlich der Donau spricht man oberschwäbisch im Unterschied zu ostschwäbisch, niederschwäbisch, neckarschwäbisch, allgäuerisch (= Tiroler schwäbisch), älblerisch etc.

"Abr verschdândâ dâmmr eis oinâwäâg" (= wir verstehen uns trotzdem)!



Grammatikalische Eigenheiten / "Grammaddig - was isch au dees"?
Typisch schwäbisch ist die 'Verwendung des Dativs in Ermangelung des Genitivs' (diese coole Formierung hab ich 'geborgt';-): "âm Vaddr sei Zenkâ" (wörtl.: dem Vater sein 'Zinken' = gemeint ist 'Vaters Nase') oder der doppelte Genitiv: "âm Wiât seiner Aldâ ihrâ Bäsle" (wörtl.: dem Wirt seiner Alten ihre Base, korrekt aber unschön: die Cousine der Frau des Wirts;-).

Charakteristisch ist auch der Einsatz der doppelten Verneinung. Hierbei darf der Übersetzer keinesfalls nach der mathematischen Regel vefahren, derzufolge 2 x negativ zu positiv wird (2 x nein ≠ ja!!!). Vielmehr muss dies als Bekräftigung einer Aussage interpretiert werden "Jetz hâue abr grad koi Zeid ed" (wörtl.: Jetzt habe ich aber gerade keine Zeit nicht, korrekt: Ich habe gerade keine Zeit!!!)

Bei einzelnen Hauptwörtern werden vom Schriftdeutschen abweichende Artikel verwendet: "dr Budder" (= 'der' statt die Butter), "'s Deller" (= 'das' statt der Teller) - womit der Schwabe selbst aber keine Probleme hat!



Einfach und weich / "des isch oifach scheâ"
Bei Verben verwendet der Schwabe der Einfachheit halber die einheitliche Endung "-âd". "mir machâd, ihr machâd, se machâd" (= wir machen, ihr macht, sie machen).

Die schwierige Aussprache der hochdeutschen Endungen "-eln" und "-ern" wie in Kartoffeln oder meckern werden durch Verwendung von"-lâ" und "-râ" umgangen; siehe "Kardofflâ" und "mäggrâ".

Den Erstklässler-Spruch "-chen und -lein machen alle Dinge klein" vereinfacht der Schwabe und sagt kurzerhand zu allem"-le" oder in der Mehrzahl"-lâ":"'s Hêisle", "d'Hêislâ" (= das/die Häuschen).
Hierbei muss unbedingt erwähnt werden, dass die Schwaben grundsätzlich eine Vorliebe für die Verwendung der Niedlichkeitsform von"-le" und "-lâ" wie bei "Vegâle" für Vogel, "Bleâmle" für Blume oder "Meisle" für Maus haben; klingt doch gleich viel freundlicher;-)

Ebenfalls als typisch kann das Unterschlagen von Buchstaben oder gar ganzen Silben bezeichnet werden: "wa" statt "was" und "au" statt "auch" in "wa saischd au?" Die Sparsamkeit, die den Schwaben nachgesagt wird, macht sich eben auch in der Einsparung von Wortteilen bemerkbar.

Explosionslaute wie p, k und t werden generell vermieden; sie werden zu"b", "g" und "d". Das "s" spricht man lieber als weiches"sch".
"st" und "sp" werden somit zu"schd" und "schb" wie in „Fäschd (= Fest) oder „Schdoi“ (= Stein).
"st" sagt der Schwabe nur, wenn im Schriftdeutschen ein -sst- bzw. -ßt- vorliegt, wie beispielsweise bei "er isst".



Vorsicht - Missvertändnisse / "au, dô muâs mâ âufbassâ"
Womit Nichtschwaben erfahrungsgemäß enorme Schwierigkeiten haben, ist das schwäbische System der Uhrzeiten; wer sich jedoch die Mühe macht, sich damit auseinanderzusetzen, erkennt schnell die Logik des 'genialen' Systems:
"ois - virdlzwôi - halbzwôi - dreivirdlzwôi - zwôi"
(= ein Uhr - viertel zwei - halb zwei - dreiviertel zwei - zwei Uhr
bzw. ganz korrekt 13 Uhr - 13.15 Uhr - 13.30 Uhr - 13.45 Uhr - 14 Uhr)
Etwas Fortgeschrittenere werden dann auch "zeâ nô halbâ" (= zehn nach halb = ... Uhr 40) oder "fâif vor dreivirdl" (= fünf vor dreiviertel = ... Uhr 40) nachvollziehen können - oder etwa nicht?

Im Schwäbischen gibt es eine Reihe Wörter mit anderer Bedeutung als im Hochdeutschen: als "Fuâß" (= Fuß) wird das komplette Bein von den Zehen bis zum Oberschenkel bezeichnet,"'s Greiz" (= das Kreuz) umfasst den ganzen Rücken und mit "dr Bauch" ist der gesamte Korpus gemeint.
Besonders von zugereisten Ärzten wird ein gewisses Verständnis für die hiesige Sprachkultur erwartet, z. B. wenn ein Schwabe mit einem Oberschenkelkrampf, also "mid âmâ Grâmpf em Fuass" auf seine Hilfe angewiesen ist.
Bemerkenswert ist, dass ein Schwabe in der Lage ist, einen Krampf zu bekommen wo Fuß und Bauch aneinander grenzen!?!

Achtung Läufer, aufgepasst - jetzt wird es ein wenig komplizierter, aber keine Angst, mit ein bisschen Mühe ist es durchaus nachvollziehbar:
"Gângâ" oder "gâu"
(= gehen) wird lediglich benutzt, um einen Ortswechsel zu beschreiben. Dagegen heißt die Fortbewegungsart "gehen" im Schwäbischen"laufâ", das hochdeutsche laufen heißt "schbrengâ", zum springen sagt der Schwabe "hobbâ", "hopfâ" oder "juggâ" und "schnelles Laufen" heißt "rennâ" oder "sauâ".
"Juggâ"
darf aber keinesfalls mit dem hochdeutschen "jucken" verwechselt werden, weil "a Muggaschdich" (= Mückenstich) "et juggd" sondern "beißd"!

Um der Verwirrung gleich noch etwas Nachschub zu bieten: "Halten" heißt im Schwäbischen "hebâ" und "heben" heißt "lupfâ". Also "hebd" (=hält) der Vater den Bierkrug in der Hand, während ein Korb auf den Tisch "glupfd" (=gehoben) wird.
Verstanden? - Na bitte!

Eine interessante Eigenheit der schwäbischen - eher der gesamten süddeutschen - Sprache ist auch die etwas eigenwillige Definition des Begriffs "Preiß" (= Preuße). So werden alle Bewohner Deutschlands "nördlich der Donau" als "Preißâ" bezeichnet, was zugegebenermaßen nicht immer als Kompliment gemeint ist - ganz im Gegenteil (man denke hierbei nur an das bayerische"Saupreiß").



Vorliebe schimpfen / "Goschâ kennâmr guâd"
Der sogenannte Schwäbische Gruß, das abgewandelte Götz-Zitat "Lâgg me am Asch!" wird vielfältig eingesetzt, ist aber nur selten so beleidigend gemeint wie es für "Râigschmeggde" (= Zugereiste, wörtl. Hereingerochene) den Anschein hat; z. Bsp. kann es auch Ausdruck allergrößten Erstaunens, sogar Bewunderung sein:"Jô lâgg me am Asch - hôt der a scheâs Wägâle!" ( = ... hat der ein schönes Auto)
"Hailând Sack" dito.
Auch die Titulierung "Seggl" hat auf Nichteingeweihte möglicherweise eine etwas befremdliche Wirkung; dabei kann die Verwendung 'unter Kumpels' durchaus als üblich bezeichnet werden.

Dagegen gibt es im Schwäbischen jede Menge derber Redewendungen die durchaus ernst zu nehmen sind. Wenn der Schwabe schimpft und flucht, sollte sein Gegenüber besser Vorsicht walten lassen: "I schlag dr d'Fiâß a, dass dâ uff de Schdombâ hoimgraddlâ kâsch!", "Des ischd vrschdôngâ ônd vrlogâ!", "I henk dr grad s'Greiz aus!", "Mir gôht glei dr Gaul dure!", "I schlag dr glei oinâ ân d'Baddrie nâ" etc., etc.
Anm.: Eine Übersetzung möchte ich der schwäbischen Sprache unkundigen Lesern ersparen - falls Bedarf besteht, bitte einfach kurz nachfragen oder ein Wörterbuch anschaffen.

Wenn es hingegen ans Loben geht, wird der Schwabe ganz leise. Lob kommt ihm nur schwer über die Lippen und er weicht entsprechenden Situationen möglichst aus; in diesen Fällen wird dann meist nach dem Motto "et gschempfd isch globed gnuâg" (= nicht geschimpft ist genug gelobt) verfahren.



Dialekt-Mix / "Wa geid au dees fir â Durânând nâ"?
Nun kann ja niemand behaupten, dass Schwaben stur sind und an ihrem Dialekt festhalten würden: wenn der Schwabe das Gefühl hat, von seinem Gegenüber nicht verstanden zu werden, ist er durchaus in der Lage, statt reinem Schwäbisch eine Mischform zu sprechen, die Schriftdeutsch und Schwäbisch vereint.

So wird durch die fortschreitende Vermischung mit fremden Dialekten, u. a. durch Laufveranstaltungen bei den Preußen (Erläuterung s. o.), wo ja immer sehr viele Fremddialekte aufeinander treffen, mit der Zeit der reinschwäbische Dialekt verfälscht;
"s' isch grad schad drom" ;-((( (= bedauerlicherweise).



Typisch schwäbische Ausdrücke

wie oben bereits erwähnt, variiert die Aussprache z. T. von Ort zu Ort stark

Lebensmittel
"Guâzle", "Ziggrle" = Bonbon
"Schlodzr" = Lutscher
"Gsälz"
= Marmelade
"Dreiblâ" = Johannisbeeren
"Bräschdleng" = Erdbeeren
"Hengâlâ" = Himbeeren
"Aidepfl", "Kardofflâ", "Grommbirâ" = Kartoffeln
"Weggâ" = Semmel
"Brâzg", "Brâzl" = Brezel
"Wuuschd" = Wurst
"Sôidâ" = Saitenwurst
"Wôizâ" = Weizenbier, Weißbier
"Mooschd" = Most

Haushalt
"Gräddâ" = Korb
"Kuddrschâufl" ond Kehrwisch"
= Kehrschaufel und Kehrbesen
"Kiebl" , "Oimr" = Eimer
"Ziâch" = Bettüberzug

Schimpfwörter
"Sembl"
"Seggl"
bzw. als Steigerung "Lombâseggl" oder "Schôfseggl"
"Daggl"
bzw. als Steigerung "Graasdaggl"
"Waidag"
"Wainiggl"
"Lombâmensch"
"Luâdr"
"Zôârâ-Igl!

Familie
"Moddr" = Mutter
"Vaddr" = Vater
"Nâhnâ" = Großmutter
"Nehne" = Großvater
"Dotâ", "Goddâ" = Patentante
"Dedle", Gedde" = Patenonkel
"Bas", Bäsle" = Cousine

Natur
"Schdäârâ" = Stern

Aktivitäten
"Gângâ" oder "gâu" = gehen (Ortswechsel)
"laufâ" = gehen
"schbrengâ" = laufen
"rennâ" , "sauâ" = schnell laufen
"hobbâ", "hopfâ" , "juggâ" = springen, hüpfen
"gôigâ" = mit dem Stuhl wippen
"werklâ", "schaffâ" = arbeiten

Sonstiges
"Medâlâ" = Angewohnheiten
"Muggâseggâle" = ein kleines bisschen
"gôigâ" = mit dem Stuhl wippen
"gâudschâ" = schaukeln

alte Ausdrücke
"Nuschdr" = Kette


dies ist mal ein Anfang; die Liste wird noch weiter geführt ...



Anmerkung:
von jungen Leuten werden viele Ausdrücke gar nicht mehr verwendet; schließlich wird man in der Schule bereits auf das multikulurelle Leben vorbereitet. Dennoch lässt sich der "schwäbische Slang" schlecht verbergen;-)





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CDs und DVDs

... einfach zuhören und genießen (wer's denn versteht;-)))



Häberle & Pfleiderer "So so - ja ja"

Willy Reichert und Oscar Heiler
Hörbuch-CD
Silberburg-Verlag
ISBN-13: 9783874074018
ISBN-10: 3874074013
EUR 18,90

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Schwäbische Geschichten

mit Willy Reichert
alle 10 Folgen komplett auf 3 DVDs, Gesamtlaufzeit: 500 min.
Hersteller: in-akustik, 2007
Bildformat: 1:1, 33/4:3 / Tonformat: HiFi Mono
EAN: 0707787120777
EUR 18,99

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Hannes und der Bürgermeister

"Best of" mit Albin Braig und Karlheinz Hartmann
DVD, Gesamtlaufzeit 125 min.
Hersteller: SWR Media, 2006
Bildformat: 1:1, 33/4:3 / Tonformat: HiFi Stereo
EAN: 4035407013434
EUR 19,99

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Seliges Land

die schwäb. Dichterstrasse - literarisch-musikalischer Streifzug
Fröhlich, Frank
Hörbuch-CD, 58 min.
Fröhlich Verlag, 2007
ISBN-13: 9783939669050
ISBN-10: 3939669059
EUR 16,00

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